Wie Wien Mobilität, Energie und Stadtentwicklung zusammendenkt
Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Transformation gelingen kann? Drei Tage, zahlreiche Gespräche und viele neue Perspektiven: Im Rahmen unserer Benchmarkreise 2026 erkundeten wir gemeinsam mit Vertreter:innen aus Unternehmen, Startups und der öffentlichen Hand, wie Wien den Wandel in den Bereichen Energie, Mobilität und Stadtentwicklung vorantreibt.
Vor Ort in Wien
Unsere Stationen führten uns vom Bundeskanzleramt über die Austrian Energy Agency und die Stadt Wien bis hin zu Wien Energie, dem Climate Lab und einem Netzwerkabend mit Startups wie POINT&, vionmo und NECTURE in der ÖBB Open Innovation Factory. Ein Stadtspaziergang, die Besichtigung des frisch eröffneten Supergrätzls in Favoriten und eine Führung durch die Müllverbrennungsanlage Spittelau machten viele der diskutierten Strategien direkt erlebbar.
Das nehmen wir mit
Klimaneutralität als Orientierungsrahmen
Ein zentrales Learning der Reise: In Wien werden Energie, Mobilität und Stadtentwicklung nicht getrennt betrachtet. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 bildet den gemeinsamen Orientierungsrahmen für Politik, Verwaltung und öffentliche Unternehmen und leitet damit langfristige Entscheidungen und Investitionen gleichermaßen. Besonders auffallend war, wie konsequent alle Gesprächspartnerinnen ihre Maßnahmen auf dieses Oberziel bezogen.
Ebenso prägend war der pragmatische Umgang mit Innovationen. Projekte werden pilotiert, evaluiert und weiterentwickelt. Fortschritt hat dabei Vorrang vor Perfektion, getreu dem Motto
"80% sind besser als 120"
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Skalierung erfolgreicher Pilotprojekte auch in Wien eine Herausforderung bleibt.
Mobilität und Stadtentwicklung gemeinsam denken
Wie sich dieser Ansatz konkret im Stadtraum widerspiegelt, wurde beim Besuch des ersten Wiener “Supergrätzls” - eine charmante Wiener Anspielung auf das Konzept der Superblocks in Barcelona - deutlich. Verkehrsberuhigung, Begrünung und neue Aufenthaltsflächen verfolgen ein gemeinsames Ziel: mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum. Das Ergebnis ist sichtbar: über 60 neue Bäume, 94 neue Grünflächen und deutlich weniger Durchgangsverkehr. Auch Instrumente wie Parkraummanagement oder der Ausbau des Umweltverbunds werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer integrierten Stadtentwicklung verstanden.
Gleichzeitig darf dabei nicht vergessen werden, dass dieser Ansatz langfristige Ressourcen und dauerhaft Investitionen in Grün- und Freiräume sowie deren Unterhaltung erfordert.
Energiewende braucht mehr als grünen Strom
Während Österreich mit rund 85 % erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bereits weit fortgeschritten ist, liegen die größten Herausforderungen weiterhin in der Dekarbonisierung von Wärmeversorgung und Verkehr. Der Anteil elektrischer Energie am Endenergieverbrauch soll deshalb von 21 % (2023) auf 48 % bis 2040 steigen. Entsprechend standen Fernwärme, Elektrifizierung und Energy Sharing im Mittelpunkt unserer Gespräche mit der Austrian Energy Agency, Wien Energie und dem Climate Lab.
Besonders spannend war der Austausch zu Energiegemeinschaften: Zusammenschlüssen von Haushalten, Unternehmen und Kommunen, die lokal erzeugten Strom gemeinsam nutzen und teilen. Ermöglicht wird das durch eine fortschrittliche Smart-Meter-Infrastruktur und gezielte Förderstrukturen. Das ist ein Bereich, in dem Österreich Deutschland regulatorisch deutlich voraus ist und wertvolle Impulse liefert.
Fazit
Wien liefert keine Blaupause, die sich eins zu eins übertragen lässt. Die Reise hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig ein gemeinsames Zielbild, integrierte Organisationsstrukturen und vor allem der Mut zur Umsetzung für eine erfolgreiche Transformation sind. Genau darin liegt der Mehrwert unserer Benchmarkreise: erfolgreiche Ansätze zu verstehen, kritisch einordnen und ihre Übertragbarkeit auf den eigenen Kontext zu diskutieren.